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Haus der Kunst Preis

Alexander Kotchetow
Interview León Krempel und Alexander Kotchetow
April 2005

LK: Sie haben Malerei an der Akademie in Kiew Studiert. Jetzt leben und arbeiten Sie in München. Wie kam das?
AK: Ich habe immer davon geträumt, Künstler zu werden. Als Kind im Sommerlager zeichnete ich nach Vorlage von Nachrichtenbildern Comics. Wenn ich krank im Bett lag und es mir nur etwas besser ging, bat ich meine Mütter um meine Malsachen. Sportler oder Archäologe wollte ich allerdings auch schon einmal werden. Entschieden haben es dann meine Eltern und der Direktor der Kunstschule, ein Kriegsveteran, dem mein patriotisches Bild des russischen Kreuzers “Variag” gefiel. So kam ich sechs Jahre auf die Kunstschule, eine Art privilegiertes Gymnasium mit Schwerpunkt Kunst.

LK
: Wo liegt denn die Ukraine auf der kulturellen Landkarte, näher zu Moskau oder Wien?
AK: Das ist schwer zu sagen - als in der Ukraine geborener Russe gehört meine Seele mehr zu Moskau.

LK
: Welche Erfahrungen haben Sie dann in München gemacht, wo Sie im Rahmen eines Austauschprogramms einige Monate Studierten?
AK: Um ehrlich zu sein, damals wusste ich nicht so recht, warum ich nach München gekommen war. Man malte dort in der Regel Abstrakt. Ich hatte wohl einige Freunde, die Figurativ malten. Besonders sympathisch war mir die Klasse von Professor Weißhaar. Statt auf der Akademie war ich oft auf der Straße mit meinem Aquarellkasten und Block. Mich faszinierte etwas, was in Kiew damals wenig bekannt war, die öffentlichen Cafés im Sommer, die Kellner, die vor den Türen stehen, die den hübschen Kellnerinnen nachschauen … Mein Stipendium war sofort aufgebracht, um Aquarelle auf der Straße zu Verkaufen, fehlte mir die Arbeitserlaubnis. Obwohl München als konservativ und spießig gilt, gibt es hier Plätze, wo ich jene “Fleurs du mal” meines Lieblingsschriftstellers Baudelaire fand.

LK
: Können Sie mir diese nennen?
AK: (Lacht) Ja, später.


LK
: Und wer interessiert sich nun für ihre Aquarelle?
AK: Ich hatte damit gerechnet, dass man mich als “Dinosaurier” an der Akademie kritisieren würde, doch die Professoren lobten meine Arbeit. Ich habe dann in Kiew meinen Abschluss gemacht, aber Freunde haben mich dann wieder nach München gebracht . Und da war auch noch ein Herr, dessen Name Ich nicht nennen möchte. Dieser Herr sah beim Jogging im Nymphenburger Park, wie ich ein Aquarell zeichnete, kaufte dieses und wurde mein Mäzen. Er hat mir sehr viel geholfen.


LK
: Wollen Sie manchmal etwas anderes malen, als man von Ihnen erwartet?
AK: Ja natürlich, aber ich bekomme viele Aufträge, denen ich nicht ausweichen kann. Ich habe ja keinen anderen Beruf, und mir fiele auch keiner ein. Für die schönen Sachen, die Sie in den Skizzenbüchern gesehen haben, habe ich einfach keine Zeit.

LK
: Sie arbeiten aber für sich an einer Geschichte des K.

AK: Still, nicht verraten, die möchte ich erst abschließen.



1. Verschluß, 2003, aus der Serie "Hinter der Kulisse",
Jean-Honoré Fragonard gewidmet, Aquarell/Papier, 50 x 40 cm

2. Make-Up , 2003, Skizze aus der Serie "Hinter der Kulisse",
Tusche/Papier, 39 x 27,5 cm

3. Kellnerin in Rot , 2004, aus der Serie "Im Café",
Aquarell/Papier, 69 x 51,5 cm

4. Am späten Abend , 2002, aus der Serie "Im Café",
Aquarell/Papier, 44,5 x 55 cm

5. Umsteigen , 1998, aus der Serie "In der U-Bahn",
Aquarell/Papier, 40 x 50 cm

6. Nach dem Arbeitstag , 1998, aus der Serie "In der U-Bahn",
Aquarell/Papier, 40 x 50 cm

7. Einsamkeit, 1998, aus der Serie "In der U-Bahn",
Aquarell/Papier, 40 x 50 cm

8. Modell im Atelier , 2004, aus der Serie "Pygmalion",
Aquarell/Papier, 55 x 39,5 cm

9. Feierabend , 2000, Pastell/Papier, 52 x 70 cm



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